ASCO


By Flickr user SuperFantastic (Flickr here) [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

Asco verfällt fast zeitgleich mit mir in einen leichten Trab, nur die Verlagerung meines Gewichtes nach vorne hat ihm als Zeichen dafür gereicht, seine Geschwindigkeit anzupassen.
Das Sonnenlicht, das die Bäume an einigen Stellen durchbricht, wirft ständig wechselnde Kontraste und Lichtreflexionen auf sein kurzes, glänzendes Fell; blaue Schimmer leuchten in dem makellos gleichmäßigen, hellen Granitgrau.
Er weicht keinen Zentimeter von meiner Seite, läuft locker, federnd und tonlos, als hätte sein Körper kein Gewicht. Nur die Mischung aus Sand und Staub, die wir auf dem trockenen Boden aufwirbeln, verrät, dass der Weimaraner neben mir nicht nur eine Projektion ist.
Ascos Bewegungen gehen fließend ineinander über, selbst über die Entfernung und durch die Bewegung hindurch ist seine Atmung erkennbar konstant, der Brustkorb hebt und senkt sich regelmäßig.
Er schaut mich an, die Schnauze umwirbelt von seinen wehenden Ohren, in den klaren, grauen Augen liegen erwartungsvolle Bereitschaft und pure Freude am Laufen.
Ich bin endlos fasziniert von diesem Hund, der selbst auf Bewegungen perfekt reagiert, obwohl er weder mir gehört noch angeleint ist.

Als ich die Geschwindigkeit erneut anziehe, wirbelt er den Kopf einmal nach links und nach rechts, dann richtet er ihn nach vorne. Ein Ruck geht durch seinen Körper, als wäre aus Spiel Reflex geworden. Tief gräbt er erst die Vorder- und dann die Hinterpfoten in den Staub, senkt den ganzen Oberkörper nach unten und schießt wie eine Rakete nach vorne. Ich renne, während er seinen federnden Gang beibehält. Sein Blick ist starr nach vorne gerichtet, die Ohren zur Seite gedreht und aufmerksam gespitzt, soweit das bei hängenden Ohren möglich ist.
Der Wechsel der Gangarten geht flüssig ineinander über, aus dem leichten Trab wird ein kräftiges Galoppieren. Er hat unendliche Freude im Blick, und streckt die Zunge aus dem weit geöffneten Maul, als würde er lachen, dann ist seine Vorderseite aus meinem Blickfeld verschwunden.
Wir rennen nebeneinander her, wirbeln Staub auf. Ich höre mein Blut in den Ohren rauschen, höre Ascos Hecheln neben mir, beobachte, wie seine Muskeln arbeiten. Licht- und Schattenreflexe spielen mit seinem Fell. Er weicht keinen Zentimeter von mir ab, springt mit mir über Gräben, legt Meter für Meter mit mir zurück, immer an meiner Seite, immer aufmerksam, und reagiert auf jede Änderung der Richtung und Geschwindigkeit mit unglaublicher Präzision.
Ich habe das Gefühl, diese Zweisamkeit, diese Eintracht müsse für immer währen – dann geht mir langsam die Kondition aus, selbstverständlich vor diesem vorbildlich trainierten Hund.

„Lauf, Asco!“, rufe ich schließlich lachend, als er bemerkt, dass ich langsam anfange, hinterherzuhängen, und mich fragend ansieht, und gebe ihm einen leichten Klaps auf den Hintern.
Und da endlich legt das große, graue, elegante Tier den letzten Gang ein und schießt mit einem kurzen, freudigen Jaulen davon wie ein gallopierendes Pferd, lässt nichts zurück als Erde und Grashalme, die seine Hinterläufe in die Luft wirbeln, die pure Verbildlichung von Kraft, Anmut und grenzenloser Freiheit.

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