TRAUMATIZER

Old phone Original Photo by Doug

Bei Mobilcom-Debitel gibt es genau drei Leitsätze; Entweder, du willst etwas von Debitel oder du willst geschäftlich etwas von Debitel. In beiden Fällen bist du schnell drin, kriegst aber nicht das, was du willst.
Der dritte und mit Abstand schlimmste Fall ist allerdings, dass Mobilcom-Debitel etwas von dir will.
Genau dieser Fall wurde bei mir nämlich gerade mit schrillem Handyklingeln eingeleitet. Ich habe mittlerweile sieben Nummern von Debitel-Mitarbeitern in meinen Kontakten, die ich sorgfältigst unter „Debitel-Futzi 1-7“ eingespeichert habe aus dem simplen, aber meiner Meinung nach genialen Plan, die Nummern gleich zu erkennen und dann gar nicht erst ranzugehen.

So. Der Haken an der Sache ist, dass bei Mobilcom-Debitel an die dreitausend Mitarbeiter am Werk sein müssen, weil ich bis auf eine Ausnahme jedes Mal von einem anderen genervt werde.
Die Ausnahme heißt Christian, hat schon öfter angerufen und sich von mir schon den ein oder anderen Scheiß anhören müssen, weil er mit seinen geschätzten dreißig Jahren zu schüchtern ist, einer Kundin, die offensichtlich nur keinen Bock auf das übliche Vertragsgeschwätz hat und ablenkt, zu sagen, dass er eigentlich nicht angerufen hat, um ihr dabei zu helfen, sich zwischen der angeblich neuen ofenfrischen Pizza Diavolo von Doktor Oetker mit extrascharfer Calabrese-Salami und einem Boden, der verspricht, locker und knusprig zugleich zu sein, und den Maggi fix & frisch Schwedischen Hackfleischbällchen Köttbullar zu entscheiden. Neben ausführlichen Meinungsäußerungen meinerseits zu Britts Vorschlägen in der gleichnamigen Hartz4-TV-Serie Britt, wie Jan und Isabell ihre Beziehungsprobleme, die darauf aufbauen, dass sie von einem anderen schwanger sei, lösen können, erwähne ich nebenbei, dass auf der Verpackung für die schwedischen Hackfleischbällchen Köttbullar unter anderem steht, dass 400g frisches Hackfleisch vonnöten seien und dazu 150g frische Champignons, ich beides nicht im Haus hätte und Pilze darüber hinaus nicht ausstehen könne, das jetzt aber halb so schlimm sei, weil ich zwar auch keine extrascharfe Calabrese-Salami mögen würde, dafür aber noch Frikadellen im Kühlschrank seien, die vom Grillen gestern noch übrig geblieben seien und die sehr lecker wären, folgte fassungsloses Schweigen seinerseits. Ich rechtfertigte das damit, dass ich von der Auswahl meines Essens bis hin zur Verkostung desselben eben gerne fernsehen würde und dass er sich ja auch mal einen schwenkbaren Plasmafernseher besorgen könne, um das einfach mal auszuprobieren, bevor ich mich recht herzlich verabschiedete und auflegte.
Kann man Mobilcom-Debitel-Mitarbeiter langfristig traumatisieren?

Zurück zum Thema: Dieses Mal hatte ich wieder einen neuen Debitel-Futzi in der Leitung, der mir gewohnt gelangweilt, aber höflich erklärt hat, dass es mit meinem Vertrag gewisse Probleme gäbe, da die Verlängerung nicht ganz rechtmäßig ausgeführt worden sei.
Gottverdammtes Debitel. Um meine Mordgedanken in dem Moment nachvollziehen zu können, sollte man vielleicht wissen, dass ich seit drei Jahren versuche, meinen verfluchten Vertrag zu kündigen und die Debitel-Futzis es jedes Mal aufs Neue bringen, ihn stattdessen zu verlängern. Kann man die eigentlich nicht verklagen?
Dazu kommt, dass mein Vertrag unnötig teuer und der Empfang, gelinde gesagt, absolut für den Hintern ist.
Ich sparte es mir dieses Mal sogar, dem Herrn nett zu erläutern, dass er dieses Problem doch bitte – wie mehrfach erwähnt – mit meinem Vater klären solle, da ich – wie mehrfach erwähnt – noch nicht volljährig sei und dass dessen Nummer – wie mehrfach genannt – bereits eingespeichert sein müsste.
Stattdessen erläuterte ich ihm das Problem selber höflichst, was er unberührt ignorierte und seine Frage widerholte. Er fügte hinzu, ob ich die AGB gelesen hätte, und ich erwiderte, dass ich Selbige gerade vor mir liegen hätte und keinen Paragraphen finden könne, in dem steht, dass Mobilcom-Debitel dazu berechtigt sei, Verträge zu verlängern, deren Kündigung mehrfach eingereicht wurde, und ob er mich da auf irgendeinen Absatz verweisen könne.
Die Antwort kam ebenso schnell wie platt; Da müsse ich mich leider an den allgemeinen Service wenden, dafür sei er nicht zuständig. Ich antwortete also, ich würde das prüfen und zurückrufen, aber das schien ihm nicht zu passen. Er erwähnte auch, dass bei ihnen laut Datenbank nie Kündigungen anekommen seien.

Da stellt sich Otto Normalverbraucher doch die Frage; Was ist hier die größere Katastrophe, die Deutsche Bahn oder Mobilcom Debitel?

Ich verwies ihn an meinen Vater, dessen Handynummer ich der Firma mittlerweile zwanzigmal gegeben haben muss.
Es kam eine der Antworten zurück, die ich erwartet hatte; Es tue ihm Leid (mit besonderer Betonung auf „Leid“), das müsse ein anderer Mitarbeiter gewesen sein und ob ich ihm die Daten nochmals übermitteln könne.
Ich sparte mir sämtliche genervte Antworten darauf und bat ihn höflichst, sich einen kurzen Moment lang zu gedulden, ich müsse sie suchen.
Ich stellte den Hörer auf Lautsprecher, legte ihn neben meinen Laptop, suchte mir eine Audio-Datei aus, klickte sie an und lehnte mich zufrieden zurück.
Besagter Debitel-Futzi befand sich daraufhin erst einmal in der Warteschleife.
Sollte mir in nächster Zeit jemand aus Rache meinen Vertrag kündigen, würde ich zwar ein paar Tage ohne Handynetz herumstehen, aber dafür wäre, wie ich nebenbei feststellte, eins der größten, unerreichbarsten Ziele der letzten drei Jahre erledigt.
Damit war mein kurzer Gedanke daran, ihm aus Mitleid die Nummer doch zu geben, natürlich ebenfalls erledigt.
Als Eminem in „Hello“ gerade auf dem Höhepunkt zu Bestleistungen warmlief, legte er auf.