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STURMTOSEN UND WINDSTILLE

STURMHÖHE

Bildschirmfoto 2014-09-21 um 20.06.18

 

Mit der Zeit zieht der starke, kalte Wind den ganzen Körper automatisch immer weiter zusammen, man senkt den Blick und verkriecht sich in ausladenden Jacken, verbarrikadiert die letzten Reste Wärme am Körper, die einem bis hierhin verblieben sind, sperrt den Regen aus. Regentropfen sammeln sich am ganzen Körper, und doch fühlt sich die kalte Luft weniger trocken an als man denken sollte, als würde der starke Wind jede Feuchtigkeit wegtragen, die nicht schwer genug ist, den Boden zu erreichen.
Ohne ein Wort bleiben wir nach der langen Wanderung quer durch die menschenleere Tundra über die winzigen Wege zwischen dem lückenlos bewachsenen Teppich aus flachen Steingewächsen gleichzeitig auf dem höchsten Punkt der Klippe stehen.
Jede Minute hier macht der Instinkt Wind und Kälte zum Feind und kapselt sich ab, so langsam, dass man es gar nicht bemerkt, wenn man es nicht anders kennt.

Erst wenn man ganz bewusst den Blick hebt, die salzige Nässe auf dem Gesicht spürt und den rauen, reinen Seewind in den Lungen, dann erst eröffnet sich einem die Magie dieses Ortes.
Die Farben scheinen hier so kräftig, als hätte sie jemand nachträglich bearbeitet; wie von innen heraus leuchten sie durch die stürmische Dunkelheit, ohne sie zu erhellen, jedoch stark genug, um den Eindruck eines durchdringenden Glimmens zu wecken, das von unbestimmbarer Herkunft aus dem Boden austritt. Tiefes, dunkles Lila glänzt mit sattem, dunklen Grün um die Wette.
Unsere Hände sind kalt, die Haare nass, und die Haut glänzt rot vor Kälte und der reinigenden Frische, aber in deinen strahlenden, blauen Augen spiegelt sich das Leuchten in meinen.
Der Himmel hat ein dichtes Wolkenzelt über die ganze Insel gespannt, das ein Gefühl absoluter Isolation vom Rest der Welt vermittelt und gleichzeitig das Gefühl einer schützenden Kuppel assoziiert, das aufgewühlte Meer konkurriert mit den sich majestätisch überwallenden Wolken um den tieferen Blauton und selbst der Himmel besitzt dieses tiefe Leuchten, das von nirgendwo her zu kommen scheint und die Dunkelheit nicht vertreibt, seine Farbintensität aber bis ins Surreale steigert.

Wir breiten bewusst die Arme aus, lassen alles auf uns einströmen, was der Instinkt sonst aussperrt, spüren die raue Kälte, den Wind und das Wetter, vor uns das berstende, schäumende Meer und hinter uns die leuchtende Tundra, inmitten von diesem gewaltigen Naturspektakel wie im Auge des Sturms. Offene Arme machen den Wind vom Feind zum Auftrieb.
Eine durchzechte Nacht, ein Sonnenaufgang in der Tundra, und schließlich diese Klippen.
Wir teilen etwas, ohne reden zu müssen, und je länger wir dort stehen und diesen Ort auf uns einwirken lassen, je stärker wir uns von seiner rauen, elementaren, unverfälschten Magie durchdringen lassen, desto größer wird das einvernehmliche Lächeln und desto leuchtender die Augen, wenn sich unsere Blicke treffen.